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Hündin Chaang geht jetzt in die Physio

Céline Gränicher ist Physiotherapeutin für Hunde: Sie hilft Vierbeinern bei Altersleiden, Muskelbeschwerden oder nach einer Operation. Auf Besuch bei Patientin Chaang.

Ueli
Weber
20.09.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Für das Wohlbefinden: Während Hundephysiotherapeutin Céline Gränicher (links) Chaang behandelt, krault Frauchen Jeanette Beer liebevoll die zehnjährige Hundedame.
Für das Wohlbefinden: Während Hundephysiotherapeutin Céline Gränicher (links) Chaang behandelt, krault Frauchen Jeanette Beer liebevoll die zehnjährige Hundedame.
SASI SUBRAMANIAM

Hundedame Chaang teilt sich ihr Zuhause in Schwändi mit einem Kleinzoo voller Hunde, Pferde, Papageien und den beiden dressierten Schafen Bänz und Leni, die so gut Männchen machen können wie jeder Hund.

Im Winter legt die Besitzerin Jeanette Beer ihr ein Mäntelchen um, schliesslich stammen Thai Ridgeback wie Chaang aus dem feuchtheissen Klima Südostasiens. «Sie ist eher für weisse Strände gemacht als für weissen Schnee», sagt Beer. Vor etwa zwei Jahren bemerkte Beer erstmals, dass ihre Hündin bei nasskaltem Wetter eigenartig lief. Mittlerweile ist klar: Die zehnjährige Hundedame leidet unter Arthrose. Die Knorpel zwischen ihren Gelenken sind abgenutzt. Die Hundetrainerin hat ihre Chaang deshalb bei Hundephysiotherapeutin Céline Gränicher angemeldet. «Sie soll wieder mehr Spass im Leben haben», sagt Beer.

Zuerst einmal muss der Hund Vertrauen fassen

Gränicher rumpelt mit ihrem Auto an den beiden Schafen Bänz und Leni vorbei und stellt ihr Auto auf dem Parkplatz ab. Behandelt wird Chaang in der Stube. Die Hundetherapeutin rollt eine Fitnessmatte aus. Chaang beschnüffelt die Matte neugierig und lässt sich bereitwillig darauf nieder. «Nicht jeder Hund ist so zutraulich», sagt Gränicher, während sie fühlt, wie weit sich Chaangs Hinterbein biegen lässt. «Manchmal braucht es eine oder zwei Behandlungen, bis sich ein Hund so berühren lässt», sagt sie. Beer streichelt ihre Hündin währenddessen hinter den Ohren. Chaang schleckt im Gegenzug ihr Gesicht.

Hunde leiden manchmal unter denselben Krankheiten wie ihre Besitzer: Sie entwickeln Arthrose, ihre Muskeln verspannen, sie erleiden sogar Bandscheibenvorfälle. Nachdem sie beim Tierarzt waren, kann ihnen eine Therapie helfen. Gränicher versucht, die Schmerzen der Hunde zu lindern.

«Wir hatten immer Tiere bei uns», erzählt Gränicher über ihre Kindheit. «Mir war klar, dass ich mit Tieren arbeiten will.» Nach einer Ausbildung im Detailhandel besuchte die 21-Jährige eine Schule für Hundephysiotherapie in Deutschland und machte sich anschliessend selbstständig. Im Herbst will sie ihre eigene Praxis eröffnen, bis dahin macht sie Hausbesuche.

Wie erkennt man, ob dem Hund etwas fehlt?

«Ein Hund erzählt dir nicht, was ihm wehtut», sagt Gränicher. Sie geht darum in den ersten Sitzungen auch mit dem Hund spazieren, läuft mit ihm Treppen, lässt ihn Platz und Sitz machen. Dabei beobachtet sie, was dem Hund fehlt, und schlägt den Besitzern dann anschliessend einen Behandlungsplan vor.

Die Therapeutin fühlt Chaangs Wirbelsäule vom Nacken bis zum Schwanz ab. Als sie die Hündin oberhalb der Hüfte berührt, zuckt diese kurz. «In den Lenden gibt sie an», sagt Gränicher. Chaang schaut etwas gequält zu ihrem Frauchen.

Auch Hunde werden gern massiert

Gränicher knetet Chaangs Rückenmuskeln durch, das löst verklebtes Bindegewebe, sagt sie. «Ich gebe den Besitzern auch gerne Hausaufgaben, wenn ich eine Behandlung beendet habe», sagt Gränicher. So könnten die Hundebesitzer selber etwas für das Wohl ihres Tieres tun, etwa mit einem warmen Lappen den Rücken massieren.

Nicht immer seien die Beschwerden für einen Hundehalter einfach zu erkennen, sagt Gränicher. «Nicht jeder Hund zeigt den Schmerz offensichtlich. Einige Hunde haben keinen Hunger mehr, sind lustlos, beginnen, sich zu kratzen.» Gränicher empfiehlt, den Hund vom Tierarzt abklären zu lassen, wenn man fürchtet, ihm könnte etwas fehlen. Denn sie selber könne keine medizinischen Diagnosen abgeben. «Ich spreche mich wenn nötig mit den Tierärzten ab», sagt Gränicher. Ab und zu schicken diese auch Tierhalter zu ihr, sagt sie.

Eine halbe Stunde dauert eine Behandlung im Schnitt, schätzt Céline Gränicher. Sie verlangt dafür 50 Franken. Viel länger halten die Hunde ungern still. Hundedame Chaang hat hingegen eine Engelsgeduld. Als Gränicher fertig ist, bleibt sie noch einen Moment sitzen.

«Ein Hund erzählt dir nicht, was ihm wehtut.»

Ueli Weber ist stellvertretender Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ absolviert und berichtet seit über zehn Jahren über das Glarnerland. Mehr Infos

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