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Wer hat Kater Tomi angeschossen?

In der Nacht auf Mittwoch schoss jemand auf Kater Tomi. Dann wurde er einfach vor dem Haus seiner Besitzerinnen abgelegt. Diese wollen jetzt Anzeige erstatten.

Ueli
Weber
15.06.17 - 05:00 Uhr
Ereignisse
Nach Schuss auf Katze: Jacqueline Krüger und Sandra Rissi besuchen ihren Kater Tomi beim Tierarzt.
Nach Schuss auf Katze: Jacqueline Krüger und Sandra Rissi besuchen ihren Kater Tomi beim Tierarzt.
UELI WEBER

Kurz vor Mitternacht am Dienstag liegt Sandra Rissis Katze Tomi vor der Türe. Der fast drei Jahre alte Kater schreit und kann nicht mehr laufen. Als Rissi ihn aufnimmt, sieht sie ein grosses Loch in seiner rechten Schulter. Tomi blutet. Sofort bringen sie und ihre Lebenspartnerin Jacqueline Krüger ihre verletzte Katze zur Tierklinik in Netstal.

Der Tierarzt gibt Tomi noch in der Nacht Schmerzmittel. Die Röntgenbilder zeigen: Eine kleine Bleikugel hat seinen Schulterknochen zertrümmert.

«Wird eine schwierige Operation»

Gestern Nachmittag können sie Tomi in der Tierklinik besuchen. Als Krüger und Rissi in den Raum kommen, mauzt er müde. «Zum ersten Mal sagt er heute etwas», erzählt die Mitarbeiterin, die Tomi auf einem Tisch hält. Krüger und Rissi streicheln ihn. Tomi schnurrt. «Du Armer!» Tomi legt sich auf seine unverletzte Seite. Die Schmerzmittel machen ihn dösig. Den Schwanz hat er auch im Liegen zwischen die Beine geklemmt, die Krallen seiner rechten Vorderpfote spreizt er immer wieder. Vielleicht wegen der Schmerzen.

Tomi hängt am Tropf, sein linkes Bein ist verbunden, wo die Infusion gelegt ist. An seiner rechten Schulter sieht man die Stelle, an der Tomi getroffen wurde. Die Kugel ist dabei zersplittert, die Teile stecken immer noch in seinem Körper. Weil die Wunde eitert, kann der Tierarzt noch nicht operieren. Deshalb muss Tomi in der Tierklinik bleiben. «Es wird eine schwierige Operation», sagt Rissi.

«Tomi schmust mit allen»

«Tomi schmust mit allen», sagt Rissi. Und trotzdem: «Es trifft immer ihn – ausgerechnet». Schon vor einiger Zeit sei er mit einer zerkratzten Nase zurückgekommen, nachdem er ums Haus geschlichen war. Und jetzt hat jemand auf ihn geschossen. Tomi wurde auf einem Bauernhof in Sargans geboren. Von dort haben Rissi und Krüger ihn und drei seiner Geschwister adoptiert. Sie leben in einem Einfamilienhaus in Näfels. «Tomi fehlt zu Hause, man merkt es richtig», sagt Rissi. Krüger fotografiert mit ihrem Handy die Röntgenbilder und die Wunde an Tomis Schulter. Beweismittel für die Polizei. Noch am Vormittag sind sie auf den Posten gegangen, um Anzeige zu erstatten. «Es geht einfach nicht, dass jemand auf eine Katze schiesst», sagt Krüger.

Die beiden Katzenbesitzerinnen sind sich sicher: Jemand muss Tomi vor ihrer Haustüre abgelegt haben. Denn selber gehen konnte er nicht mehr. Rissi verdächtigt ihre Nachbarn. Diese hätten gedroht, eine ihrer Katzen zu erschiessen, wenn diese auf ihren Balkon klettern sollten.

Anzeigen wegen angeschossenen oder vergifteten Tieren seien äusserst selten, sagt Daniel Menzi. Er ist Mediensprecher bei der Kantonspolizei Glarus. Die Aufklärungsquote sei stark vom jeweiligen Fall abhängig. «Wenn bei nachträglicher Anzeigeerstattung keine Spuren mehr gesichert werden können oder kaum andere Ermittlungsansätze vorhanden sind, dann wird es mit der Aufklärung entsprechend schwierig», erklärt Menzi. Rissi und Krüger hoffen jetzt, dass die Polizei herausfindet, wer auf Tomi geschossen hat. Und dass er nach der Operation wieder wird gehen können.

Ueli Weber ist stellvertretender Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ absolviert und berichtet seit über zehn Jahren über das Glarnerland. Mehr Infos

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