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Trotz Sperrzeit wird jetzt im Riet gemäht

Das Naturschutzgebiet in der Schmerkner Allmeind ist derzeit für Fussgänger gesperrt. Das dient dem Schutz seltener Vogelarten. Dennoch müssen dort aber bestimmte Flächen gemäht werden.

Christine
Schibschid
01.06.18 - 04:30 Uhr
Ereignisse
Sperrzone: Fussgänger dürfen derzeit nicht ins Naturschutzgebiet
Sperrzone: Fussgänger dürfen derzeit nicht ins Naturschutzgebiet
GEMEINDE SCHMERIKON

Dass es paradox erscheinen mag, räumen die Verantwortlichen der Gemeinde Schmerikon in ihrer Medienmitteilung selbst ein: Obwohl zum Schutz der Natur von Ende März bis Mitte August keine Fussgänger ins Schmerkner Riet dürfen, werden dort momentan Mäharbeiten mit Maschinen durchgeführt. Eigentlich soll in der Sperrzeit Ruhe herrschen, damit seltene Vögel wie das Braunkehlchen brüten können.

Die Mäharbeiten seien aber erforderlich und das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung, sagt Ruth Wespe, Naturschutzbeauftragte der Gemeinde. Hintergrund sei vor allem die Ausbreitung von Landschilf. «Es nimmt seltenen Arten wie etwa dem hellgelben Knabenkraut das Licht weg», so Wespe. «Wenn wir das Schilf jetzt schneiden, treibt es zwei Mal aus und wird so geschwächt.»

«Der Zeitpunkt wurde so gewählt, dass er möglichst noch vor der Brütezeit der Vögel liegt.»

Möglichst wenige Störungen

Laut der Gemeinde zielt das Pflegekonzept langfristig darauf, gefährdete Arten und deren Lebensräume zu stärken. «Die Störungen sollen die balzenden Braunkehlchen und auch seltene Orchideen nicht beeinträchtigen», heisst es.

«Wir beobachten, wo die Vögel schon Nester bauen und wo diese möglicherweise bereits belegt sind», erklärt Wespe. In solchen Bereichen würden «auf keinen Fall» Arbeiten durchgeführt. Zudem würden die Störungen so kurz und knapp wie möglich gehalten. Wespe: «Im Moment bearbeiten wir erste Pilotflächen, damit wir die Auswirkungen beobachten können.»

Mit der Entscheidung für die Mäharbeiten habe es sich die Gemeinde nicht einfach gemacht. «Es wurde eine grosse Vernehmlassungsrunde einberufen, bei der Fachleute verschiedener Bereiche zu Wort kamen», sagt Wespe. Am Tisch hätten etwa Vogel- und Pflanzenexperten gesessen. «Wir haben das Ganze gemeinsam besprochen und so festgelegt. Es ist schwierig, aber wir versuchen, das gewissenhaft auszuführen.»

Einverstanden mit den Plänen ist auch Antonia Zurbuchen von Pro Natura St. Gallen. Sie war bei der Projektpräsentation dabei. «Ich habe die Pflegepläne gesehen. Der Zeitpunkt wurde so gewählt, dass er möglichst noch vor der Brütezeit der Vögel liegt.» Sie glaube, das Ganze sei gut aufgegleist, sagt Zurbuchen. Es sei ein Versuch, verschiedene Bedürfnisse und Ziele zu vereinbaren.

Keine neue Entwicklung

Dass es so viel Schilf gibt, hat laut Wespe mit der Luftverschmutzung zu tun. «Stickstoff wird heruntergeregnet und düngt somit die Flächen», sagt sie. Es handle sich nicht um eine neue Entwicklung. «Früher wurde das Riet noch häufiger bewirtschaftet. Seit etwa 20 Jahren darf aber nur noch ein jährlicher Schnitt stattfinden.» Das sorge für Ruhe, begünstige aber die Ausbreitung von Pflanzen. In den vergangenen sechs Jahren seien in kleinem Rahmen auch schon gewisse sehr verschilfte Flächen in der Sperrzeit gemäht worden. «Das hat sich bewährt», sagt Wespe.

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