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Gelebte Werte am 17. Tourismus Trendforum

Workshops, Präsentationen und Diskussionen zur gesellschaftlichen Nachhaltigkeit haben die 17. Ausgabe des Tourismus Trendforums in Chur geprägt.

Leben & Freizeit
18.11.24 - 04:30 Uhr

Der Einladung des Instituts für Freizeit und Tourismus (ITF) der Fachhochschule Graubünden, folgten am 11. November 2024 zahlreiche Teilnehmende aus Graubünden, der Ostschweiz aber auch aus der Thunersee-Region und aus dem Tessin. So «kann man schon von einer nationalen Veranstaltung reden», bemerkte Dominik Knaus, Leiter des ITF, mit einem Augenzwinkern bei seinen Begrüssungsworten. 

Das Programm: Ein bunter Mix aus Theorie und Praxis

Die Herausforderungen des Tourismus in einer globalisierten Welt sind komplex – es geht darum, den Spagat zwischen ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit zu meistern und dabei gleichzeitig in einem dynamischen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Damit «gesellschaftliche Nachhaltigkeit» im Tourismus trotzdem nicht nur ein Schlagwort bleibt, sind konkrete Praktiken und Lösungsansätze gefragt. Das Tourismus Trendforum setzte genau dort an und bot nebst theoretischen Impulsen auch praxisorientierte Ansätze, wie diese Werte im touristischen Alltag konkret umgesetzt oder eben «gelebt» werden können. 

In diesem Jahr startete das Trendforum mit zwei Workshops. Die Teilnehmenden arbeiteten während knapp eineinhalb Stunden sehr engagiert und motiviert zu ihrer ausgewählten Materie. 

Im Workshop zum Thema «Community Building» konnten Expertinnen der Fachhochschule Graubünden die Erkenntnisse eines laufenden Projektes mit den Teilnehmenden reflektieren.

Der zweite Workshop beschäftigte sich mit dem Thema Führungsstile für die nächste Generation. Unter der Leitung von Mitgliedern des «NextGen Tourism Boards», einer Vereinigung von jungen Berufsleuten aus der Hotellerie-, Gastronomie- und Bergbahnbranche, wurden vier verschiedene Führungsstile und ihre Wirkung auf junge Arbeitskräfte erarbeitet und gekonnt erklärt. 

Vom Brückenbauen und Stimmgabeln… 

Das Nachmittagsprogramm startete mit dem Referat von Leila Hauri, Leiterin von REGIO Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee, bereits mit einem ersten Highlight. In ihrem Vortrag sprach sie über die Bedeutung akteursübergreifender Zusammenarbeit in der Bodenseeregion. So tangieren touristische Projekte oft den Lebensraum der lokalen Bevölkerung, was aus gesellschaftlicher Sicht einige Herausforderungen mit sich bringen kann. Deshalb ist es zentral, dass Tourismusprojekte nicht nur für Gäste, sondern auch für die Einheimischen einen echten Mehrwert schaffen sollen und zweitere auch in den Entwicklungsprozess miteinbezogen werden. «Wir müssen zwischen den beiden Lebenswelten eine Brücke bauen», wie Hauri treffend formuliert. 

Wie sich im Gespräch mit Onna Rageth, Leiterin des Bregaglia Lab in Stampa, zeigte, können solche «Brücken» beispielsweise über die Reallabore der FH Graubünden entstehen. Mit Hilfe der Reallabore werden wissenschaftliche Problemstellungen nämlich genau dort gelöst, wo sie auftreten. Mit verschiedenen Standorten im ganzen Kanton, fernab der Hauptstadt, bieten die Reallabore eine spannende Möglichkeit, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln und den Tourismus nachhaltig zu fördern. Für die Entwicklung von Förderprojekten im Tourismus ist der Austausch mit der einheimischen Bevölkerung sehr entscheidend. 

Im Beitrag zum Thema «Resonanz-Tourismus» von Toggenburg Tourismus wurde klangvoll und eindrücklich dargelegt, was eine Stimmgabel mit Tourismus zu tun haben kann. Als Gegentrend zum Massentourismus geht es beim Resonanz-Tourismus insbesondere darum, echte Beziehungen zu Menschen schaffen, indem Destinationen und Angebote so konzipiert werden, dass authentische Erlebnisse gefördert werden. Authentizität – ein Wert der im Toggenburg gelebt und weitergegeben wird, was die Präsentation von Christian Gressbach und Sonja Teuscher mit ehrlichen Einblicken und offenen Einschätzungen gezeigt hat. 

… bis hin zum Fachkräftemangel und gesellschaftlicher Solidarität

In einem aufschlussreichen Podiumsgespräch mit Lena Pescia, Expertin im Bereich der nachhaltigen Entwicklung touristischer Lebensräume, wurde über einige Ursachen für den akuten Fachkräftemangel in der Tourismusbranche diskutiert. Die Themengrundlage bot eine aktuelle Studie des ITFs zu den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden im Tourismussektor. So spielen nicht nur die erwarteten Faktoren wie das Gehalt oder die Arbeitszeiten eine Rolle, sondern vor allem auch der fehlende bezahlbare Wohnraum in touristischen Regionen sowie das Klima im Team oder die Wertschätzung gegenüber den Arbeitskräften. «Das Image der Branche ist angeknackst», so Pescia, und «es braucht innovative Lösungsansätze, um die Attraktivität der Branche für Arbeitnehmende zu steigern». 

Zum krönenden Abschluss des 17. Tourismus Trendforums gab es ein Referat von nationaler Bedeutung. Vom Dachverband des Schweizer Tourismus STV war Romy Bacher zu Gast. Sie fasste die Tagung gekonnt zusammen und zeigte den Forumsteilnehmenden viel Wissenswertes über Initiativen und Werkzeuge des Verbandes auf. Eindrücklich waren die gezeigten Praxisbeispiele für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sowei Gleichstellung und Inklusion im Tourismus. 

Zukunftsfähiger Tourismus: Gelebte Werte sind ein zentrales Element

Neben dem offiziellen Programm mit Workshops und Fachreferaten bot das diesjährige Trendforum auch genug Raum für Gespräche, wo die neugewonnen Erkenntnisse ausführlich diskutiert werden und neue Kontakte in der Branche geknüpft werden konnten. 
Das diesjährige Tourismus Trendforum der FH Graubünden hat gezeigt, dass dort wo Menschen zusammen etwas bewegen wollen, gemeinsame Werte ein zentrales Element sind. Die gesellschaftliche Nachhaltigkeit zu fördern und zu leben wird auch in Zukunft entscheidend sein für die Weiterentwicklung von touristischen Projekten und Regionen

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