Steg beim Aabachdelta fällt ins Wasser
Der Gemeinderat hat die Pläne für neue Inseln und einen Steg unweit der Badi Schmerikon verworfen. Schmerikons Berufsfischer hatten Bedenken angemeldet. Nun soll zumindest die Insel südlich der Mündung besser geschützt werden.
Der Gemeinderat hat die Pläne für neue Inseln und einen Steg unweit der Badi Schmerikon verworfen. Schmerikons Berufsfischer hatten Bedenken angemeldet. Nun soll zumindest die Insel südlich der Mündung besser geschützt werden.
Unweit der Badi Schmerikon mündet der Aabach in den Obersee. Er transportiert jede Menge Material in den See. Aus Gründen des Hochwasserschutzes muss das Geschiebe alle fünf bis sieben Jahre weggeräumt werden. Anderenfalls bildet sich ein Rückstau und das Wasser im Bach steigt.
Deshalb sind die Kiesinseln entstanden, die auf beiden Seiten der Flussmündung liegen. «1997 hiess es, dass wir aus Naturschutzgründen zulassen müssen, dass sich ein Delta bildet», erinnert sich Schmerikons Gemeindepräsident Félix Brunschwiler.
Es sei nicht mehr möglich gewesen, den Kies einfach zu entnehmen. Damals habe die Gemeinde die Inseln angelegt und sich verpflichtet, die südliche Insel in ihre Schutzverordnung aufzunehmen.
Vor allem die nördliche Insel, die näher an der Badi liegt, wird von Bürgern gern zum Baden oder Grillieren genutzt. Auch im südlichen Mündungsbereich wird die Ruhe aber immer wieder durch Böötler gestört. Dabei soll der Platz eigentlich als Brut- und Rastplatz für Vögel dienen.
Ideen für mehr Naturschutz
Demnächst muss wieder Material aus dem Mündungsgebiet entnommen werden. In diesem Zusammenhang hatte der Gemeinderat im Juli umfangreiche Umgestaltungen vorgeschlagen. Er wollte das Delta mit allen bestehenden Inseln unter Schutz stellen. Damit Badegäste aber nicht in die Röhre gucken, sollten nördlich der Flussmündung neue Badeinseln aufgeschüttet werden. Ein Steg sollte sie miteinander verbinden und so auch Fussgänger aus dem Uferbereich des Aabachs ableiten – denn Riet und Flachmoor vor der Mündung sind bereits geschützt. Nahe der Mündung war ausserdem ein Aussichtsturm angedacht. Alle diese Ideen sind aber vom Tisch, teilte Gemeindepräsident Brunschwiler gestern mit.
Fischer äusserte Bedenken
Hauptgrund waren nach seinen Angaben Bedenken der kantonalen Fischereiaufsicht. Sie habe den Vorschlag zunächst positiv beurteilt, dann aber eine «Kehrtwende» vollzogen. Der Hintergrund: Schmerikons Berufsfischer Turi Wespe hatte Bedenken angemeldet. «Mit Steg und Badeinseln hätte man eine sehr grosse Fläche Laichgebiet kaputtgemacht», erklärt er. Neben ihm seien auch viele andere alteingesessene Schmerkner gegen die teuren Pläne gewesen. Wespe erfuhr, wie er sagt, aus der Zeitung davon und intervenierte daraufhin.
Auch Umweltverbände waren laut Brunschwiler nicht sehr begeistert von den Ideen. Sie hätten bezüglich des Stegs Forderungen gestellt. «Grundsätzlich haben wir den Vorschlag sehr begrüsst», sagt Antonia Zurbuchen von Pro Natura St. Gallen Appenzell. «Gewisse Sachen mussten jedoch noch abgeklärt werden, zum Beispiel die Auswirkungen der Kiesaufschüttungen auf den Lebensraum unter Wasser.» Dass das Projekt nun ganz begraben wurde, findet Zurbuchen «schade».
Besserer Schutz für Südinsel
Nach dem Scheitern der Pläne will der Gemeinderat nun zumindest die südliche Kiesinsel unter Schutz stellen. Die Papiere für eine dahingehend überarbeitete Schutzverordnung lagen bereits 2016 auf. «Die Umsetzung hat sich aber verzögert», sagt Brunschwiler. Er geht davon aus, dass die überarbeitete Schutzverordnung mit dem neuen Schutzgebiet frühestens 2018 in Kraft tritt. Auf der südlichen Insel soll dann von Mitte März bis Ende August ein Betretungsverbot gelten. «Wir werden es signalisieren und durchsetzen», kündigt Brunschwiler an.
Dafür gibt es offenbar Bedarf. «Das Betretungsverbot weiter vorne am Aabach wird immer wieder missachtet», sagt Zurbuchen von Pro Natura. Es müsse besser kontrolliert werden.
Schutzmassnahmen geplant
Laut Brunschwiler wird geprüft, künftig Ranger am Aabach einzusetzen. «Sie könnten die Leute zunächst freundlich ermahnen, in Härtefällen aber die Polizei rufen, welche Bussen verhängt.» Der Gemeinderat plant ausserdem ein ganzjähriges Hundeverbot für beide Aabachdämme und das Aabachdelta. «Hunde schrecken Vögel und Enten auf und plündern Nester», begründet Brunschwiler.
Insgesamt brauche es für die Kiesentnahme ein neues Konzept, unterstreicht Naturschützerin Zurbuchen. «Wir sehen Potenzial in dem Delta», sagt sie. Man müsse überlegen, wohin man das störende Material verschieben könne. «Eine Frage ist etwa, wo die Errichtung von Flachwasserzonen sinnvoll wäre», so Zurbuchen. Solche Bereiche werden von bestimmten Vögeln geschätzt.
Des Weiteren wird der Gemeinderat klären müssen, wie es auf der geschützten südlichen Insel weitergeht. Sie ist zugewuchert. «Für Kiesbrüter ist das nicht attraktiv», erklärt Brunschwiler. «Hier müssen die Interessen von Pflanzen- und Vogelschützern vereinbart werden.»
Steg könnte anderswo entstehen
Die Idee für einen neuen Steg ist nicht völlig vom Tisch. Der Schmerkner Gemeinderat überlegt, wie er die Qualität des Aussenbereichs des Hallen- und Seebades verbessern kann. «Wir könnten uns vorstellen, den bestehenden Steg bis zum Badefloss zu verlängern», sagt Gemeindepräsident Brunschwiler. Der Gemeinderat sei gewillt, das vertieft zu prüfen. Auch könnten sich die Mitglieder des Gemeinderates vorstellen, wieder einen Sprungturm zu errichten. «Es sind mehrere Ideen auf dem Tisch, wir werden uns die Möglichkeiten zur Attraktivitätssteigerung genauer ansehen», kündigt Brunschwiler an.
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