Der «Dschungel» lichtet sich
In der Gemeinde Glarus müssen die Pflanzen auf öffentlichem Grund regelmässig gepflegt werden. Beim Volksgarten wurden mit den Unterhaltsarbeiten nun auch die Sichtverhältnisse bei den Fussgängerstreifen auf dem Kirchweg verbessert. Weitere Massnahmen folgen.
In der Gemeinde Glarus müssen die Pflanzen auf öffentlichem Grund regelmässig gepflegt werden. Beim Volksgarten wurden mit den Unterhaltsarbeiten nun auch die Sichtverhältnisse bei den Fussgängerstreifen auf dem Kirchweg verbessert. Weitere Massnahmen folgen.
Zeuge des Unfalls ist Fahrlehrer Goran Lucic am 10. Oktober 2017 zufällig geworden. Er hielt mit seinem Auto am Fussgängerstreifen beim Hotel «Freihof» an, um eine 76-jährige Frau den Kirchweg überqueren zu lassen. Diese Frau übersah der Fahrer, der mit seinem Lieferwagen auf der anderen Strassenseite Richtung Netstal fuhr. «Ich musste zusehen, wie die Frau 15 Meter über die Strasse geschleudert wurde», schilderte Lucic sein Erlebnis gegenüber der «Südostschweiz» rund zwei Wochen später (Ausgabe vom 26. Oktober 2017). «Ihr Schrei sitzt mir immer noch in den Knochen.»
Nüchterner formuliert war das in der Polizeimeldung (siehe Box). Am Resultat änderte es nichts. Die Frau musste mit unbestimmten Verletzungen ins Spital.
«In diesem Moment wusste ich, dass ich endlich für mehr Sicherheit sorgen muss», wandte sich Lucic mit seinem Anliegen an die «Südostschweiz». Denn für Fussgänger sei der Kirchweg in Glarus – die «grüne Hölle» – ein gefährliches Pflaster. Speziell der Abschnitt neben dem Volksgarten sei ihm ein Dorn im Auge, seit er vor zehn Jahren begonnen habe, Fahrschülerinnen und -schüler im Glarnerland auszubilden. Lucics Forderung: «Alle Bäume und Sträucher, welche die Sicht auf die Fussgänger versperren, müssen weg.»
Schnell gehandelt
Schon Ende Oktober 2017 hatte Katrin Egger festgehalten, dass bereits Massnahmen ergriffen worden seien, um die Sicherheit beim Volksgarten entlang der Strasse zu erhöhen. So sei zum Beispiel vor dem Zebrastreifen beim «Freihof» eine Schranke angebracht worden, sagte die Leiterin Standortförderung und Kommunikation der Gemeinde Glarus. Weil der Volksgarten und mit ihm seine Bepflanzung unter Schutz stehe, könne daran ohne die Zustimmung des Heimatschutzes jedoch nicht einfach beliebig etwas verändert werden.
Trotzdem wurde der «Dschungel» jetzt massiv gelichtet. «Vor rund zwei Wochen», wie Egger auf Anfrage ausführt. Denn schon im November 2017 hätten Verantwortliche der Gemeinde und der Kantonspolizei bei einer Begehung im westlichen Teil des Volksgartens die Fussgängerstreifen entlang des Kirchwegs inspiziert. «Dies mit der Zielsetzung, die Strassenübergänge zu optimieren.»
Konzentriert habe man sich auf Massnahmen, die man rasch und unkompliziert umsetzen könne, führt Egger weiter aus. «Da die Hecke, die nun entfernt wurde, nicht Teil des Volksgarten-Konzeptes und damit als nicht schützenswert deklariert ist, konnte sie ohne Bewilligung beseitigt werden.»
Schranken an allen Zebrastreifen
Im Rahmen des regulären Unterhalts seien zudem Büsche zurückgeschnitten und ein Baum gefällt worden, der krank gewesen sei und ein Sicherheitsrisiko dargestellt habe. Aus dem gleichen Grund werde am Kirchweg «nächstens» auch ein Kastanienbaum bei der Garage Milt gefällt.
Die geschützten Bäume werden laut Egger sowieso jährlich «einer fundierten Prüfung durch externe Experten unterzogen», Veränderungen der Neigung «genaustens überwacht» und die Bäume für die Untersuchung auf Krankheiten auch geröntgt.
Egger betont, dass Bäume wirklich nur gefällt würden, wenn sie krank seien. Durchaus zu den «Optimierungsmassnahmen im Zeichen der Verkehrssicherheit» zählt sie dagegen «die Entfernung der Hecke und die Verbesserung der Sichtwinkel durch Rückschnitt der Böschungen».
Und zur Erhöhung der Sicherheit sind gemäss Egger noch weitere Massnahmen geplant: «Im Lauf der Frühlingsarbeiten werden sämtliche Fussgängerquerungen mit neuen, massiven Schranken versehen.»
Marco Häusler ist Dienstchef der Zeitungsredaktion «Glarner Nachrichten». Er absolvierte den zweijährigen Lehrgang an der St. Galler Schule für Journalismus und arbeitete bei der ehemaligen Schweizerischen Teletext AG und beim «Zürcher Unterländer», bevor er im Februar 2011 zu Somedia stiess. Mehr Infos
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.