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Platzt der Staudamm, stehen Züge im Wasser

Die Stadt Chur bereitet sich auf den Katastrophenfall vor. Dafür erarbeiten Fachleute gegenwärtig eine umfassende Gefährdungsanalyse.

Dario
Morandi
15.03.18 - 04:30 Uhr
Politik
Rasche Eingreiftruppe: Der Zivilschutz kann in Chur innerhalb von zwei Stunden eingesetzt werden.
Rasche Eingreiftruppe: Der Zivilschutz kann in Chur innerhalb von zwei Stunden eingesetzt werden.
YANIK BÜRKLI

Erdbeben, Hochwasser durch einen Staudammbruch, das bis auf den Bahnhofplatz reicht, Unwetter mit Überschwemmungen und Murgängen, Unfälle mit gefährlichen Gütern auf Strasse und Schiene sowie eine geplatzte Erdgasleitung: Das sind nur einige Beispiele aus der Gefährdungsanalyse für Chur. Dieses Papier wird nach Einführung des Bundesgesetzes für Bevölkerungsschutz gegenwärtig unter der Federführung der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) erarbeitet. Der Stadtrat hat dafür 16 000 Franken freigegeben, wie aus einer gestern veröffentlichten Mitteilung der Stadtkanzlei hervorgeht.

Ein Papier aus der Schublade

Einer, der an dieser Risikoeinschätzung an vorderster Front mitarbeitet, ist der frühere Kommandant der Stadtfeuerwehr, Guido Calörtscher. Für Chur und ihre 37 000 Einwohnerinnen und Einwohner bestehe zwar keine unmittelbare Gefährdung. Es sei aber dennoch wichtig, «bei ausserordentlichen Lagen sofort ein Papier aus der Schublade ziehen und damit ein Ereignis verzögerungslos bewältigen zu können», sagt er. Calörtscher ist neben seiner Tätigkeit als Leiter Bau und Unterhalt beim Energiedienstleister IBC Energie Wasser Chur Chef des städtischen Krisenstabs, den man verwaltungsintern «Kataorganisation» nennt. Deshalb weiss er nur zu gut, wie wichtig es für Behörden ist, rasch und auf kurzen Entscheidungswegen reagieren zu können. Als gutes Beispiel nennt er die Bergeller Gemeinde Bondo. «Die haben dort nach dem verheerenden Bergsturz einen tollen Job gemacht, insbesondere Gemeindepräsidentin Anna Giacometti.»

Strom in ganz Europa ausgefallen

Szenarien, die das öffentliche Leben, wenn nicht gar die Ordnung zum Erliegen bringen können, gibt es viele. Calörtscher: «Man muss sich nur mal vorstellen, was passiert, wenn elektrischer Strom länger als zwei Tage nicht verfügbar ist.» Genau das lässt sich im Roman «Black out» von Marc Elsberg nachlesen. Darin erzählt er von einem fiktiven, zwei Wochen dauernden grossflächigen Stromausfall in Europa. Verursacht wurde der katastrophale Blackout durch einen manipulierten intelligenten Stromzähler in Italien. Mit Blick auf diesen Romanstoff ist für Calörtscher klar: Man müsse auf alles vorbereitet sein, indem man im Sicherheitsgefüge die Partner aufeinander abstimme.

Viele Profis an der Arbeit

Als rasche Eingreiftruppe dient nach dem Einsatz von Blaulichtorganisationen der Zivilschutz. Dieser lässt sich gemäss Calörtscher innerhalb von etwa zwei Stunden in Marsch setzen und danach von einem Kommandoposten in der Innenstadt aus führen. «Weil bei uns in der Verwaltung und in den Rettungsorganisationen Profis arbeiten, darf Chur als gut ausgerüstet und aufgestellt bezeichnet werden.»

Aber nicht nur Chur wappnet sich für einen Ernstfall. Elf Gemeinden haben bisher eine Gefährdungsanalyse erarbeitet, wie Jann Hartmann erklärt. «Bis alle so weit sind, wird es zwar noch etwas dauern, aber wir sind auf guten Wegen», sagt der stellvertretende GVG-Direktor. Zunächst seien einige Gemeinden einer Risikoanalyse mit Skepsis begegnet, erzählt er. Inzwischen habe sich das aber gelegt, weil Behörden neue Erkenntnisse daraus gewonnen hätten, wie es um die Sicherheit ihrer Gemeinde bestellt sei.

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