In die Höhe gewachsen
Die Hülle für das kantonale Verwaltungszentrum «Sinergia» ist fertig. Auch vom Inhalt hat der Kanton schon klare Vorstellungen.
Die Hülle für das kantonale Verwaltungszentrum «Sinergia» ist fertig. Auch vom Inhalt hat der Kanton schon klare Vorstellungen.
Regierungspräsident Mario Cavigelli sprach gestern in Chur vor den Medien von einem «weiteren Meilenstein». Für einmal traf die häufig überstrapazierte Formulierung zu. Cavigelli konnte die Medien – und später die Fachleute vom Bau – zum ersten Mal überhaupt im fertig gebauten Verwaltungszentrum «Sinergia» begrüssen. Natürlich, innen wie aussen bleibt weiterhin noch viel zu tun. Die Hülle aber steht. Und darum lud der Kanton zum Aufrichtefest.
Am Anfang eher harzig
18 Monate hat es gedauert, «Sinergia» aus der Wiese bei der Churer Kaserne wachsen zu lassen. In dieser Zeit wurden auf dem Gelände 48 000 Kubikmeter Erdreich verschoben, 1200 Tonnen Armierungsstahl verlegt und 12 000 Kubikmeter Beton gegossen. «Das sind auch für Bauleute nicht alltägliche Grössenordnungen», sagte Cavigelli.
Bis mit dem Bau begonnen werden konnte, dauerte es allerdings seine Zeit. Im März 2012 genehmigte das Bündner Stimmvolk den 72-Millionen-Kredit für den Bau bloss mit sehr knappem Mehr. Es folgte eine Stimmrechtsbeschwerde, welche aber abgelehnt wurde. Danach verzögerten das Arealplanverfahren für Chur West sowie Einsprachen gegen den Quartierplan den Baubeginn weiter. Der erste Spatenstich für «Sinergia» konnte deshalb erst im März 2017 erfolgen – also ganze fünf Jahre nach der Abstimmung.
Teil einer Gesamtstrategie
Inzwischen ist man auf der Baustelle aber wieder auf Kurs, wie Cavigelli gestern versicherte. Der Regierungspräsident erinnerte einmal mehr an die Immobilien-Gesamtkonzeption des Kantons, innerhalb welcher «Sinergia» ein wichtiger Teil sei. Insgesamt werden neun regionale Verwaltungszentren geschaffen: In Ilanz, Roveredo, Thusis, Davos, Scuol und Landquart sind diese bereits in Betrieb, Samedan und Poschiavo sollen noch folgen.
Durch die Konzentration von Ämtern und Dienststellen könnten «ein verbesserter Kundennutzen» sowie «kostenrelevante Flächenreduktionen» erreicht werden, sagte Cavigelli. Allein eine Sparmassnahme sei «Sinergia» für den Kanton aber nicht. Es gehe auch darum, «neue, zukünftige Arbeitsformen in spezifisch gestalteten Arbeitslandschaften» zu schaffen. Ausserdem erfülle die Verwaltung mit dem energieeffizienten und nachhaltigen Bau auch ihre Vorbildrolle.
Modern, offen, flexibel
Wie die «Arbeitslandschaften» der Zukunft aussehen werden, lässt sich auf der Baustelle inzwischen immer besser erahnen. Die verschachtelten Einzelbüros der Vergangenheit gibt es nicht mehr. An ihre Stelle sind grosszügige Flächen getreten, welche variabel genutzt werden können. Damit will der Kanton auch auf künftige Entwicklungen flexibel reagieren können. Zudem ermöglicht es die neue Raumaufteilung, interne Abläufe zu verbessern.
Insgesamt werden in den Räumlichkeiten von «Sinergia» ab dem Frühling 2020 gleich 14 sogenannte Organisationseinheiten des Kantons mit 400 Mitarbeitenden residieren. Neben zwölf Dienststellen – vom Amt für Jagd und Fischerei über das Grundbuchinspektorat und Handelsregister bis zum Amt für Wirtschaft und Tourismus – ziehen auch zwei Departementsleitungen ein. Zu den ersten «Mietern» in Neubau gehört auch Cavigelli selber. Darauf freue er sich, sagte er gestern.
Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos
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