Er hat es getan: Störi ist «nur» noch Vize
Es schien, als sei Mathis Störi der Alligator-Malans-Präsident für die Ewigkeit. 16 Jahre führte er die Reptilien-Familie mit viel Herz und Engagement. Nun nimmt er es ein bisschen ruhiger oder will es zumindest versuchen.
Es schien, als sei Mathis Störi der Alligator-Malans-Präsident für die Ewigkeit. 16 Jahre führte er die Reptilien-Familie mit viel Herz und Engagement. Nun nimmt er es ein bisschen ruhiger oder will es zumindest versuchen.
Die Wette war mehrere Jahre heiss: Wer gewinnt den Fernwettkampf um die längste Zeit auf einem Chefsessel eines Bündner Spitzenklubs? HCD-Zampano Arno Del Curto und Alligator-Malans-Präsident Mathis «This» Störi waren die Kontrahenten dieses Duells. Jetzt hat der HCD-Cheftrainer gewonnen.
Nach 16 Jahren Präsidialzeit ist Störi Mitte Juni als Alligator-Steuermann zurückgetreten. Nicht etwa, weil er im Rentenalter ist, denn dann hätte der gebürtige Glarner schon vor vier Jahren sein Amt abgeben müssen. «Aber eben, ich bin jetzt auch schon 69, irgendwann spürt man erste Anzeichen der Müdigkeit.» Eine nur allzu verständliche und glaubhafte Aussage.
Mann der überlangen Amtszeiten
Für frische Impulse soll Brigitte De Coi sorgen – mit dem neuen Vizepräsidenten This Störi als bestmöglichem Berater. Von dessen grenzenloser Erfahrung als Sportfunktionär wird De Coi mindestens noch eine Saison zehren. Störi übernimmt das Amt des Marketing-Verantwortlichen. Dort ersetzt der frühere Jeninser Gemeindepräsident seine Nachfolgerin De Coi.
Die Frage, warum Störi nicht in den verdienten Ruhestand wechselt, ist zu verlockend, als das man sie ignorieren sollte. «Ich nehme es ja ruhiger jetzt, bin eben kein Homeworker», sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. Es sei wichtig für den Verein, dass er seine Kontakte in geordnetem Rahmen weitergeben könne, «aber höchstens noch für ein bis zwei Jahre, bis eine Marketing-Nachfolge aufgebaut ist». Ob man ihm diese Äusserung ebenfalls glauben darf? Denn in der Exekutive der Gemeinde Jenins stellte Störi noch länger als die inzwischen 19 Jahre im Alligator-Vorstand seinen Mann. Als er 2011 das Amt des Gemeindepräsidenten niederlegte, konnte er auf sagenhafte 28 Vorstandsjahre zurückblicken, davon 14 als Präsident. Zum Vergleich: Arno Del Curto predigt seine Lehren in Davos seit 21 Jahren, insofern könnte Störi immer noch auf einen komfortablen Vorsprung verweisen.
Vreni Schneiders JO-Trainer
Durch seinen Sohn Jürg fand Störi Anfang der Neunzigerjahre zum Unihockey. «Zuerst als zuschauender Vater, danach als Elternrat, der sich mit den finanziellen Schwierigkeiten des Vereins auseinandersetzte.» So verlagerte er sein Tätigkeitsgebiet: Unihockey-Funktionär statt Ski- und Volleyball-Trainer. In den Siebzigerjahren trainierte Störi als Skitrainer des Ostschweizer JO-Kaders unter anderem auch spätere Weltstars wie Vreni Schneider und Maria Walliser.
Über den Hallenchef der Alligator-NLA-Partien und drei Sportchef-Jahre erarbeitete sich Störi das Unihockey-Wissen, um 2001 das Präsidenten-Amt von Peter Bruhin zu übernehmen.
Drei Meistertitel und vier Cupsiege durfte Störi als Präsident feiern. Keiner sei ihm in besserer Erinnerung als ein anderer geblieben. Vielmehr spricht er von den «Belohnungen» für die Meistertitel: «Die Teilnahmen an den Europacup-Turnieren hinterliessen den grösseren Nachhall.» Zum Aufbau und Erhalt des Clubspirits.
«Als Dorfklübchen belächelt»
Besonders seine erste Europacup-Reise im Jahr 1997 nach Stockholm, damals noch als Sportchef, hat den Wahl-Bündner geprägt. «In Stockholm wurden wir von Verbandsvertretern als Dorfclübchen belächelt, dessen Herrlichkeit bald vorbei sei.» Es erübrigt sich zu erahnen, ob diese Stichelei ei-nen im Stolz verletzten Störi geradezu angestachelt hat, dem Schweizer Unihockeyverband auch als Präsident zu beweisen, wozu ein Bündner Dorfverein fähig ist.
Störi aber relativiert. «Ich war nur der Coach, Motivator und Rückendecker unserer Funktionärs-Crew, die grosse Arbeit haben meine Vorstands- und Funktionärskollegen verrichtet.» Die Teamarbeit zusammen mit anderen Ehrenämtlern und dafür sorgen, dass die Leute Freude an Alligator haben, dies alles hat Störi all die Jahre angetrieben.
Der in Schwanden aufgewachsene Workaholic hat sehr viel erreicht, nicht nur sieben Titel. Er hinterlässt seiner Nachfolgerin dank stetig erhöhter Marketingeinnahmen auch gesunde Vereinsfinanzen. Der Aufbau der Zusammenarbeit mit Sargans und Schiers oder die Verpflichtung von Szenen-Stars wie Martin Olofsson, Mathias Larsson, Esa Jussila und Weltmeister-Trainer Petteri Nykky sind ebenfalls Meilensteine in Störis Amtszeit.
Der Name Nykky ist es auch, der ihn an eines seiner wenigen Missgeschicke erinnert, welche ihm während seiner Präsidialzeit unterlaufen sind. Man schrieb den Februar 2011, als er eine Telefonkonferenz der NLA-Präsidenten verpasste: jene, in der die Teams ihren Play-off-Viertelfinal-Gegner wählen konnten. Als Tabellenzweiter hätte sich das von Nykky geführte Team den Gegner aussuchen dürfen. Störi glaubte, er werde angerufen, doch er selbst hätte anrufen müssen. Dies bescherte Alligator dann nicht Wunschgegner Grünenmatt, sondern Chur Unihockey. «Ein halbes Jahr Arbeit sei dahin», wetterte der exentrische Nykky, Störi liess er seinen Groll spüren: «Nykky ignorierte mich ein paar Tage, er sprach kein Wort mehr mit mir.» Doch Alligator triumphierte über Chur, spielte sich bis in den Play-off-Final – und Nykky beruhigte sich wieder.
«Das Hallenproblem ist akut»
Ein wichtiges Geschäft, das Störi selbst noch verwirklichen wollte, legt er jetzt in die Hände seiner Nachfolgerin: «Im Rheintal muss endlich eine TV-taugliche Sporthalle mit über 1000 Zuschauerplätzen her», sagt der Pensionär, der nicht Pensionär sein will. Störi warnt davor, dass der Unihockeysport in Graubünden den Anschluss verpassen könnte.
Seine Bedenken sind nicht unbegründet. Ab kommender Saison überträgt SRF ab den Viertelfinals jeden Samstag eine Partie live auf SRF 2. Eigentlich ein Quantensprung für die Unihockeyaner, damit kann sich Unihockey hochoffiziell über ein grösseres Renommee freuen, als dies traditionellere Teamsportarten wie Handball, Basketball oder Volleyball geniessen. Doch für die drei Bündner NLA-Teams ist dies ein Schritt ins Ungewisse. Denn die beiden Hallen in Chur (Gewerbeschule) und Maienfeld (Lust) sind nicht geeignet für TV-Übertragungen.
Zusammenarbeit gefordert
Zwar ist Swiss Unihockey derzeit mit SRF auf der Suche nach Lösungen, damit aus Chur und Maienfeld live übertragen werden kann. Und laut Swiss- Unihockey-Geschäftsführer Michael Zoss dürfen Alligator, Chur Unihockey und Piranha Chur ihre Play-off-Heimspiele vorderhand weiterhin in die- sen Hallen austragen. Doch die Frage bleibt: Wie lange noch tolerieren Swiss Unihockey und SRF diese Situation? Im schlimmsten Fall wird SRF das Pro-blem simpel lösen und nicht live aus Chur und Maienfeld senden.
Störi spricht von teilweisem Selbstverschulden der Bündner Unihockeyvereine. «Es war wohl ein Fehler, dass man bisher nie miteinander sprach, um die Möglichkeit einer gemeinsamen neuen Halle für alle drei Vereine zu erörtern.» Der Baufachmann führt dieses Versäumnis auf das Konkurrenzdenken zwischen Alligator und Chur zurück. Jetzt müsse aber etwas gehen in diese Richtung, er wolle persönlich auf die Vertreter der anderen Vereine zugehen.
Wie sagte Störi zuvor noch? «Ich nehme es jetzt ja ruhiger.» Zumindest diese Aussage kann man ihm definitiv nicht mehr glauben.
Hans Peter Putzi ist Redaktor. Er spricht für Radio Südostschweiz, manchmal schreibt er auch für die Zeitung «Südostschweiz» und «suedostschweiz.ch». Besonders gerne recherchiert er, mit Vorliebe in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Sicherheit, Umwelt und Sport. Er ist im hinteren Prättigau aufgewachsen und wohnt seit vielen Jahren im Bündner Rheintal. Mehr Infos
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