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Von der Kuh in die Steckdose

Mist und Gülle aus der Landwirtschaft können für die Stromproduktion und danach als Dünger genutzt werden. Dafür braucht es Bionmassekraftwerke. Doch davon gibt es nur wenige. Das soll sich jetzt ändern.

Dario
Morandi
08.12.17 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Andreas Mehli zeigt die Biokohle, rechts Andy Kollegger.
Andreas Mehli zeigt die Biokohle, rechts Andy Kollegger.
THEO GSTÖHL

Der Kanton Graubünden bekommt eine Klimastiftung. Damit soll unter anderem der Bau von umweltfreundlichen Biomassekraftwerken gefördert werden. Hinter dem Projekt «Klimastiftung Graubünden Energie und Landwirtschaft» (Klima Grischa) steht der Churer Landmaschinenspezialist Andreas Mehli. Er setzt sich seit Jahren mit der energetischen Nutzung von organischen Stoffen auseinander.

Auch als Dünger einsetzen

Mehli betreibt zu diesem Zweck eine Anlage zur hydrothermalen Karbonisierung (HTC) von organischen Abfällen, die er laufend ausbaut und modernisiert. Das Biomassekraftwerk auf dem Gelände der Churer Rheinmühle wandelt Hofdünger und andere organische Stoffe wie etwa Klärschlamm und Speisereste in Biokohle um, die zur Energieproduktion oder als Dünger genutzt werden können. Das dabei anfallende kohlenstoffhaltige Energiewasser wird nach der Verwertung in einer Biogasanlage in der Landwirtschaftschaft als Dünger eingesetzt.

Nach Ansicht des Bündner Energie-Experten und BDP-Grossrats Andy Kollegger besteht im Bereich von Biomassekraftwerken viel Nachholbedarf. Aktuell sind gerade mal sechs Bündner Anlagen am Netz. Sie speisen vier Gigawattstunden Strom ein, was dem Jahresverbrauch von 450 Haushalten entspricht. Da gebe es «noch viel Luft nach oben», glaubt Kollegger. Aber leider sei das in der Öffentlichkeit bisher kein grosses Thema. «Dabei bergen Gülle und Mist aus der Landwirtschaft ein hohes Energiepotenzial.»

Den CO2-Ausstoss vermindern

Für Kollegger, der im Mandatsverhältnis als stellvertretender Geschäftsführer des Biomassekraftwerk-Branchenverbandes Ökostrom Schweiz tätig ist, sind solche Anlagen «wahre Alleskönner». Sie produzierten Strom, Wärme und Dünger, sagt er. Ausserdem werde durch die Verwertung von organischen Stoffen der Ausstoss von klimaschädlichem CO2 in die Luft vermindert, weil der kohlenstoffhaltige Dünger direkt in den Boden eingebracht werde.

Aber nicht nur das: Biomassekraftwerke tragen nach Kolleggers Einschätzung zur Stabilität des Stromnetzes bei. «Sie lassen sich flexibel einsetzen, weil sie wie Speicher-Wasserkraftwerke ihren Produktionsrohstoff speichern können und deshalb bei Bedarf rasch ans Netz zu- und weggeschaltet werden können.»

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