Neue Billig-Coiffeure verstärken den Druck auf Uzner Salons
In Uznach gibt es an fast jeder Ecke einen Coiffeursalon. Nun hat im Städtli erneut ein besonders günstiger aufgemacht. Inhaber teurerer Geschäfte bleiben gelassen, wundern sich aber, dass die Niedrigpreisläden ihre Mitarbeiter angemessen bezahlen können. Seit Kurzem müssen auch ungelernte Coiffeure einen Mindestlohn bekommen.
In Uznach gibt es an fast jeder Ecke einen Coiffeursalon. Nun hat im Städtli erneut ein besonders günstiger aufgemacht. Inhaber teurerer Geschäfte bleiben gelassen, wundern sich aber, dass die Niedrigpreisläden ihre Mitarbeiter angemessen bezahlen können. Seit Kurzem müssen auch ungelernte Coiffeure einen Mindestlohn bekommen.
Wer durch Uznach spaziert, kommt alle paar Meter an einem Coiffeursalon vorbei. Rund ein Dutzend gibt es in der Gemeinde, so viele werden bei search.ch aufgelistet. Der neueste heisst «Demki» und hat kürzlich nahe dem Stadtbrunnen aufgemacht. Am Schaufenster klebt Werbung für die günstigen Preise. Einen Herrenhaarschnitt etwa gibt es ab 25 Franken.
«Haare wachsen immer»
Bei einem Besuch an einem Montagvormittag ist kein Kunde im Salon. Nur zwei Männer, scheinbar Angestellte, sitzen herum. Wie Inhaber Govan Guli später am Telefon sagt, hat er in Uznach allerdings nur einen Angestellten – möglicherweise leistete ihm jemand Gesellschaft. Für Guli ist es nicht der erste Salon. Wie er sagt, hat er bereits Läden in Siebnen, Lachen und Richterswil. Er denkt, dass der Kuchen in Uznach gross genug für alle ist. Denn: «Haare wachsen immer.»
Guli sagt, er setze auf Kunden aus der Region, die bislang in sein Geschäft nach Lachen kamen. «Wir hatten dort Leute aus Uznach, Glarus, Schänis und Bilten.» Auf die günstigen Preise angesprochen, sagt er: «Im Grunde kostet eine Stunde bei uns so viel wie bei anderen.» Der Service, den der Salon biete, sei schneller, aber trotzdem gut. Der Mitarbeiter wird laut Guli nach Gesamtarbeitsvertrag bezahlt.
«Es ist problematsich, wenn Leute unterhalb eines realistischen Existenzminimums arbeiten.»
Bis zum nächsten Salon sind es nur ein paar Meter. Es gibt ihn seit einigen Monaten. Auch im «Coiffeur Dunia» sind beim Besuch am Montagvormittag keine Kunden. Hinter dem Tresen steht Renas Hasan. Bei ihm kostet ein Herrenhaarschnitt 23 Franken, das ist noch günstiger als nebenan. «Ich denke, es sind genug Kunden für alle da, und bin zufrieden», sagt Hasan.
«Positiv gegenüber Neuem»
Auf der anderen Strassenseite betreibt Claudia Hürlimann seit acht Jahren den Salon «Coiffure Claudia». Hier ist es etwas teurer, einen Herrenhaarschnitt gibt es ab 44 Franken, für eine Dame fallen mindestens 78 an. «Die Preise werden durch die gegebenen Kosten bestimmt», sagt Hürlimann.
Es gebe die Tendenz zu mehr Billig-Coiffeuren, bedroht fühle sie sich aber nicht. «Diese Läden haben eine andere Kundschaft als wir.» Hürlimann könnte sich allerdings vorstellen, dass einige Herren und Kinder zu den Nachbarn abwandern. Sie unterstreicht, dass es jedermanns Freiheit sei, ein Geschäft aufzumachen. «Ich kann mir manchmal allerdings kaum vorstellen, dass Salons mit Niedrigpreisen ihren Mitarbeitern den Mindestlohn zahlen können.» Insgesamt müsse man Neuem gegenüber aber positiv eingestellt sein.
«Viele machen ihr eigenes Ding»
Gelassen gibt sich auch Tamara Stoob vom Salon «Zack» ein Stück weiter die Strasse hoch. Bei ihr kostet ein Herrenhaarschnitt in der Regel 49 Franken. «Im Moment spüre ich noch keine Auswirkungen durch die neuen, günstigen Läden», sagt Stoob. Auch sie vermutet, dass diese andere Kunden ansprechen.
Dennoch fügt sie hinzu: «Man sollte etwas tun, damit unausgebildete Leute nicht die Preise unterbieten.» Wenn die Löhne fair seien, könne man aber nichts gegen günstige Läden sagen. «Teils kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass Löhne und Sozialleistungen korrekt sind.»
Dafür, dass es so viele Salons gibt, liefert die Coiffeuse eine Erklärung: «Früher haben oft mehrere Leute in einem Laden gearbeitet. Heute machen viele ihr eigenes Ding.»
«Machen Markt und Beruf kaputt»
Knapp 200 Meter entfernt vom «Zack» betreibt Antonio Cazzato seit zehn Jahren den Salon «Santonio». Hier gibt es den Herrenschnitt ab 45 Franken, für Damen geht es bei 79 los. «Als ich angefangen habe, gab es etwa halb so viele Salons in Uznach wie heute», erinnert sich Cazzato. Dennoch seien seine Zahlen seit etwa acht Jahren stabil. Der Coiffeur denkt dennoch nicht, dass der Kuchen in Uznach gross genug für alle ist. «Klar hofft man, dass auch Leute von auswärts kommen. Es gibt aber auch in Schmerikon, Gommiswald und Kaltbrunn Coiffeure.»
Cazzato findet es problematisch, «wenn Leute mit den Preisen spielen und unterhalb eines realistischen Existenzminimums arbeiten». Da frage er sich schon, wie die das machten. «Solche Leute machen Markt und Beruf kaputt.» Der Coiffeur schätzt, dass es bis zu 14 Coiffeure in Uznach gibt. Er erwähnt dass davon maximal drei auch Lehrlinge ausbilden würden. Cazzato merkt an, dass Zufriedenheit und Kollegialität unter Mitbewerbern früher besser gewesen seien. «Über die Gründe könnte man einen ganzen Tag diskutieren.»
Neuer Vertrag gibt Hoffnung
Dass es für die Branche bessere Zeiten gab, sagt auch Mauro Tiberi, Präsident der Sektion St. Gallen beim Verband Coiffuresuisse: «Der Beruf hatte in den 80er- und 90er-Jahren einen höheren Stellenwert.» Damals seien zu viele Friseure ausgebildet worden, darunter auch weniger gute. «Die stehen irgendwann auf der Strasse. Viele haben sich selbstständig gemacht.» Auch Einwanderer ohne anerkannte Ausbildungen seien dazugekommen.
«Nun gibt es aber endlich den neuen Gesamtarbeitsvertrag», sagt Tiberi. Dieser schreibe auch für ungelernte Coiffeure einen Mindestlohn von monatlich 3350 Franken vor. Den müssten auch kleine Betriebe und Barbershops zahlen. «Billigfriseure können nicht mehr mithalten», prognostiziert Tiberi. Zukunftspotenzial für die Branche sieht er auch wegen eines Gesinnungswandels, den er ausmacht: «Junge Leute legen wieder mehr Wert aufs Aussehen. Die ‘Geiz-ist-geil’-Mentalität ist auf dem Rückzug.»
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Der Kommentar geht am Thema…
Der Kommentar geht am Thema total vorbei. Es sind zu 99% sogenannte Flüchtlinge, die diese Haarentfernungen betreiben. Ein anders Wort für diese Kahlschnitte kenne ich nicht. Dazu kommt, das es sich grösstenteils um Treffpunkte Krimineller Clans handelt. Wie lange geht es eigentlich, bis dagegen eingeschritten wird?