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«Die Wirtschaft hat sich grossmehrheitlich als resistent erwiesen»

Sechs Fragen an Sven Wiederkehr, den neuen Chef der Glarner Kantonalbank.

Ueli
Weber
10.02.21 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Sven Wiederkehr schaut auf sein erstes Amtsjahr zurück.
Sven Wiederkehr schaut auf sein erstes Amtsjahr zurück.

Herr Wiederkehr, hat die Kantonalbank das Coronajahr 2020 gut weggesteckt? Absolut. Ich bin natürlich sehr erfreut über diesen erfolgreichen Jahresabschluss. Es war ein sehr anspruchsvolles Umfeld. Trotzdem konnten wir auch im letzten Jahr neue Produkte auf den Markt bringen und die Kreditfabrik weiter ausbauen.

Wie erklären Sie diese Krisenfestigkeit? Wir haben mittlerweile verschiedene Standbeine, die alle zum Wachstum beitragen. Diese verschiedenen Geschäftsfelder unterstützen sich auch gegenseitig: Wir gewinnen zum Beispiel Kunden für unsere ganz normalen Bankdienstleistungen, die zuerst über den Hypomat auf uns aufmerksam geworden sind.

Mit der Online-Plattform Hypomat vergeben Sie auch Hypotheken ausserhalb des Kantons. Wie wichtig ist das ausserkantonale Geschäft geworden? Es ist nicht wichtiger geworden, aber es ist wichtig geblieben. Es ist für uns eine Chance, zu diversifizieren und die Risiken zu verteilen. Und es hilft uns zudem, in der Schweiz positiv wahrgenommen zu werden. Ein sehr starkes Signal dafür ist auch die Zusammenarbeit mit der Mobiliar, deren Hypothekenbestand künftig von der GLKB-Kreditfabrik verwaltet wird.

Sie bilden wegen der Coronakrise Wertberichtigungen für «latente Ausfallrisiken» in der Höhe von 3,7 Millionen Franken. Erwarten Sie, dass die Coronakrise mit Verzögerung die Glarner Wirtschaft und die Bank noch härter treffen wird? Wir sind verhalten optimistisch. Bis jetzt hat sich die Wirtschaft grossmehrheitlich als sehr resistent erwiesen und hat die Krise hervorragend gemeistert. Aber das Ende ist ja leider noch nicht absehbar. Und die Langzeiteffekte der Coronakrise kennt noch niemand. Aus Vorsichtsprinzip haben wir darum auch diese Rückstellungen gebildet.

Die Kantonalbank gewährt ihren Kunden zinsfreie Überbrückungskredite. Wie stark wurden diese beansprucht? Wir haben Anfragen und haben auch bereits erste Auszahlungen vorgenommen. Wir verzichten zum Beispiel aber auch vorübergehend auf Amortisationen. Das wird fast noch mehr genutzt. Die zehn Millionen Franken, welche wir für das Programm zur Verfügung stellen, sind noch nicht ausgeschöpft.

Heute Mittwoch berät der Landrat über das Kantonalbankgesetz. Es geht um die Privatisierung der Bank und die Abschaffung der Staatsgarantie. Sie und Verwaltungsratspräsident Martin Leutenegger sprachen mit der vorberatenden Kommission. Die Bank unterstütze die Privatisierungspläne der Regierung, heisst es. Was haben Sie den Landräten gesagt? Wir waren primär als Auskunftspersonen in der Kommission. Seit der Kanton im Jahr 2008 die jetzige strategische Richtung eingeschlagen hat, versuchen wir als Bank unseren Beitrag dazu zu leisten. Wir vollzogen den Börsengang im Jahr 2014, welcher die Risikoverteilung erhöhte, und wir haben die Eigenmittel gestärkt. Unsere Botschaft in der Landratskommission war: Der Wechsel ist viel einfacher, wenn man ihn aus einer Position der Stärke vollziehen kann, als wenn man ihn in einer allfälligen Krisensituation in Betracht ziehen müsste. Wenn die Politik diesen Schritt machen möchte, ist jetzt ein guter Moment dafür.

Die Agentur Standard&Poor’s hat das Rating der Kantonalbank aber um eine Kategorie von AA auf AA- herabgestuft mit Aussicht negativ. Sie hat das mit der geplanten Aufhebung der Staatsgarantie begründet. Macht das Ihnen Sorgen? Jede Kantonalbank mit Staatsgarantie weiss, dass sie alleine typischerweise ein tieferes Rating hätte. Für uns war darum immer klar, dass unsere Refinanzierungskosten kurz bis mittelfristig ansteigen, wenn wir die Staatsgarantie nicht mehr haben. Was jetzt passiert ist, war darum absolut nicht überraschend. Wenn der Entscheid an der Landsgemeinde fallen sollte, wird wahrscheinlich Standard&Poor’s noch mal nachziehen. Wenn wir auf eigenen Beinen stehen, können wir aber unsere Eigenmittel weiter stärken, wir können unsere Wachstumsstrategie beibehalten und so unser Rating wieder stärken. (uw)

Ueli Weber ist stellvertretender Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ absolviert und berichtet seit über zehn Jahren über das Glarnerland. Mehr Infos

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